Dienstag, 07. April 2020

Was ist schon normal?

Bild: Maritta Lieb, In: Pfarrbriefservice.de

Österliche Gedanken von Bruder Paulus

Ich mag meine Familie. Mit meinen Geschwistern verbindet mich ein lockerer, aber herzlicher Kontakt. Mit den Neffen unterhalte ich mich per Internet. Meine Mutter rufe ich einmal im Monat an.

Manchmal frage ich mich, ob das normal ist. Müsste unser Kontakt nicht häufiger und intensiver sein? Dann schiele ich nach nebenan. Wie machen das andere Familien?

Mit solchen Fragen gehe ich einer Urversuchung des Menschen auf den Leim. Sie will mich dahin bringen, aus dem Vergleich mit anderen Zufriedenheit zu erlangen. Das ergibt sich aus dem Wunsch, ähnlich wie die anderen zu sein und darüber hinaus noch besser als sie.

Doch das kann für die Familie unangenehme Folgen haben. Kindern wird vorgehalten, dass die Kinder von nebenan braver seien und lernbereiter. Partner entwickeln im Blick auf andere Ehen Wünsche, die am Ehemann oder der Ehefrau vorbeigehen und somit nicht erfüllbar sind.

Wir müssen wieder lernen, dass es keine „normale“ Familie gibt. Ein Mann sollte seine Frau heiraten und nicht eine Vorstellung davon, wie sie eigentlich sein müsste. Eine Frau bejaht ihren Ehemann und nicht ihr Bild davon, wie die Beziehung mit einem Mann verläuft. Kinder sind eine Gabe Gottes für die Eltern und sollten keine Erfüllungsgehilfen ihrer Fantasien sein.

Ostern erinnert daran. Jesus wurde Opfer derer, die klare Bilder von Gott hatten. Er wurde auferweckt, weil Gott den Menschen auch weiterhin durch Begegnung und nicht durch Bilder von dem angeblich perfekten Leben retten will. Trauen Sie sich daher, Ihren individuellen Stil zu leben.

Bruder Paulus

(In: Pfarrbriefservice.de, aus: LiMa-Magazin, April 2007)