Freitag, 23. Oktober 2026

Friedensdekade

„Couragiert widerständig“ vom 08.11.26 bis 18.11.26 in unserer Pfarrei

Liebe Gemeinde 

„Couragiert widerständig“ – so lautet das Motto der diesjährigen Friedensdekade vom 8. – 18. November. Sie lädt dazu ein, sich nicht abzufinden mit der neuen Selbstverständlichkeit von Krieg und Gewalt, mit gesellschaftlicher Unsicherheit und der Vorstellung, dass Frieden letztlich doch nur ein schöner Traum sei. 

Gerade in einer Zeit, in der die militärische Logik immer häufiger als alternativlos erscheint, kann Resignation eine große Versuchung sein. Das Ziel eines gerechten Friedens, eines friedlichen Miteinanders der Menschen und Völker, ist groß. Vielleicht sogar so groß, dass wir manchmal denken: Was kann ich schon tun? Wozu sich einsetzen, wenn die Verhältnisse doch stärker sind als wir? 

Unsere jüdisch-christliche Tradition erzählt jedoch von Menschen, die sich dieser Resignation nicht ergeben haben. Sie erinnert an Frauen und Männer, die den Mut hatten, Gewalt und Unrecht zu widersprechen – oft ohne zu wissen, ob ihr Widerstand Erfolg haben würde. 

Eine dieser biblischen Geschichten, die im Faltblatt der Friedensdekade zu finden ist, steht im Buch Exodus, die Geschichte der beiden Hebammen Schifra und Pua. Der Pharao befiehlt ihnen, die männlichen Neugeborenen der Hebräer zu töten. Doch die beiden Frauen tun nicht, was ihnen befohlen wird. Sie widersetzen sich dem tödlichen Befehl. Sie finden einen Weg, sich der Macht entgegenzustellen und Leben zu bewahren. 

Ihr Widerstand ist bemerkenswert. Schifra und Pua haben keine Armee, keine politische Macht und keine großen Mittel. Aber sie haben Mut. Und sie wissen, wem sie letztlich verpflichtet sind. „Sie aber fürchteten Gott“, heißt es in der biblischen Erzählung. Sie gehorchen nicht der Macht des Pharaos, sondern stellen sich auf die Seite des Lebens. 

Couragiert widerständig zu sein, bedeutet deshalb nicht, laut oder heldenhaft auftreten zu müssen. Es kann ganz klein beginnen: den Mund aufzumachen, wenn Menschen verächtlich gemacht werden. Sich einzumischen, wenn Gewalt verherrlicht wird. Flüchtlingen und Schutzsuchenden beizustehen. Der Versuchung zu widerstehen, sich an Feindbilder zu gewöhnen. Räume offenzuhalten für Begegnung, Versöhnung und Verständigung. 

Frieden entsteht nicht allein dadurch, dass wir auf ihn hoffen. Er braucht Menschen, die sich nicht mit Gewalt und Unrecht abfinden. Menschen, die wie Schifra und Pua couragiert widerständig sind. 

Vielleicht können wir gerade darin einen Auftrag der Friedensdekade entdecken, der Resignation etwas entgegenzusetzen. Nicht weil wir glauben, den Frieden aus eigener Kraft schaffen zu können. Sondern weil wir darauf vertrauen, dass Gottes Wille dem Leben gilt und weil wir unseren Teil dazu beitragen können. 

Couragiert widerständig. Für das Leben. Für die Hoffnung. Für den Frieden. Dazu wollen wir in unserer Pfarrei zusammen mit den protestantischen Gemeinden in diesen 10 Tagen unterschiedliche Akzente setzen. Lesen Sie dazu in diesem Pfarrbrief. 

Matthias Aperdannier 

 

Termine für die Friedensdekade vom 8. – 18. November 2026 in unserer Pfarrei 

08.11.26 um 10.30 Uhr St. Gallus, Infos zum Start der Friedensdekade und Flyer im Gottesdienst 

09.11.26 um 18.00 Uhr Lutherkirche, ökumenischer Gottesdienst zur Reichsprogromnacht 

13.11.26 um 9.00 Uhr St. Ulrich, Wortgottesdienst zum Thema der Friedensdekade 

15.11.26 um 10.30 Uhr St. Ulrich, Kinderkirche zum Thema Frieden 

15.11.26 um 17.00 Uhr St. Gallus, Friedensandacht mit den Gospelchor Chariots 

16.11.26 um 18.00 Uhr Christuskirche, Friedensgebet 

18.11.26 um 19.00 Uhr Pfarrheim St. Gallus, Friedensgebet